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KISIELICE / FREYSTADT & Gut Neudeck      (Ostpreussen)  

Auf dem Gebiet der heutigen Stadt Kisielice befand sich ab 1255 ein Marktflecken namens Vriestadt, die Siedlung wurde auf einem Bergrücken oberhalb des nahe gelegenen Sees und dem Fluss Gardenga angelegt. Zwischen 1315 und 1320 wurde die heutige Stadt von der Familie von Stangen gegründet. 1331 erhielt sie das  Stadtrecht, welches mit dem Bau der Kirche verbunden war. 1397 verkaufte Katharina von Stangen Freystadt an das Bistum Pomesanien. Brände verwüsteten 1414 und 1455 die Ansiedlung. 1466, nach dem Zweiten Thorner Friedens, kam der Ort von der polnischen Krone an den Deutschen Orden. Vom Ende des 14. Jahrhunderts bis um das Jahr 1525 war der pomesanische Bischhof Landesherr von Kisielice, nach der Reformation ging sie an den Herzog von Preussen über. 1775 und 1819 zerstörte erneut ein Feuer grosse Teile von Kisielice.

Die Sonne versinkt weit im Westen und die Nacht bricht über die frühere evang. Kirche von Freystadt herein.
The sun disappears far in the west and the night comes over the former Lutheran church at Kisielice.

Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahr 1899 erlebte man einen wirtschaftlichen Aufschwung. Als Folge des Versailler Vertrages im Jahr 1920 mussten auch die Bürger von Freystadt sich durch eine Abstimmung entscheiden zum neu entstandenen Polen zu kommen, oder sich lieber als westpreussische Stadt an Ostpreussen anzuschliessen. Freystadt entschied sich mehrheitlich, lieber im Deutschen Reich zu verbleiben.

Der Turm der Stadtkirche brannte 1653 ab und wurde erst 1856/57 wieder massiv aus Stein aufgebaut.
The tower of Kisielice´s town church burned down in 1653 and was rebuilt with stones only in 1856/57.

Im Januar 1945 zog die Rote Armee in Freystadt ein. Die Stadt wurde zu etwa 80% zerstört. Die Häuser, die man auf alten Fotos noch um die Kirche herum angesiedelt sieht, sind heute fast alle verschwunden, der Ort liegt heute südlich der Hauptstrasse.

GUT NEUDECK

An der Umgebung von Freystadt bzw. Kisielice wirklich interessant ist die Tatsache, dass dort in unmittelbarer Nähe einst das Heimatgut des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg lag. Hindenburg war zwar in Posen geboren, seine Familie stammte jedoch väterlicherseits aus Neudeck. Da die Familie seines Onkels, die das Gut einst übernommen hatte, dieses aus finanziellen Gründen an eine Bank abgeben musste, konnten verschiedene Unterstützer Paul von Hindenburgs das Gut erwerben und es ihm als Dank für seine Verdienste um das Vaterland feierlich an seinem 80. Geburtstag am 2. Oktober 1927 übergeben. Hindenburg, der seit 1925 Reichspräsident war, errichtete 1928 an der Stelle des alten Gutshauses ein Herrenhaus im barocken Stil.

Links: Der Neubau des Gutes Neudeck zum Park hin gesehen. Rechts: Reichspräsident Paul von Hindenburg.
Left: Die new building of Gut Neudeck facing the park. Right: Reichspresident Paul von Hindenburg.

Paul von Hindenburg verbrachte jede freie Minute auf Neudeck, verstarb dort auch am 02. August 1934 nach schwerer Krankheit. Nach seinem Tod wurde er an Ort und Stelle aufgebahrt , sodass die Bevölkerung Abschied von ihm nehmen konnte. In der Nacht des 7./8. August 1934 wurde der Leichnam des Verstorbenen nach Hohenstein in das Reichsehrenmal Tannenberg überführt.

Das Ende von Gut Neudeck kam mit dem Einmarsch der Sowjetarmee im Januar 1945. Die deutschen Gutsbediensteten flohen mit der Familie von Hindenburg nach Niedersachsen. Nach mehreren Plünderungs- und Zerstörungswellen, wurde das Gebäude im Jahr 1950 gänzlich abgetragen. Alle persönlichen Erinnerungen und Gegenstände - mit Ausnahme des Marschallstabes Hindenburgs - galten seitdem als verschollen bzw. endgültig verloren.

DAS GEHEIMNIS VON GUT NEUDECK:
Nur wenigen Menschen ist bekannt, dass polnische Bewohner  aus der Umgebung jedoch später die im Grundstein von Gut Neudeck eingemauerten Dokumente ausgruben und seitdem verwahren. So existieren heute noch die damals im Fundament eingeschlossenen westpreussischen Zeitungen vom September 1928 und vor allem die vom Reichspräsidenten von Hindenburg und den am Bau beteiligten Handwerkern unterschriebene “Urkunde zur Grundsteinlegung” vom 08. September 1928 (Kopien siehe weiter unten)!

So sieht Gut Neudeck heute aus:

Die Einfahrt zum Park, der Gut Neudeck bis 1945 umgab.
The entrance to the park which surrounded Gut Neudeck until 1945.

Halbwegs erhalten blieb nur der Zugang zum Tresorraum des Anwesens.
More or less still existing is the armored door of the mansion´s safe.

Die alten Steine der Einfahrt nach Neudeck sind noch erhalten.
The old stones to Neudeck´s driveway are still there.

Links: Obige Urkunde der Grundsteinlegung von Gut Neudeck vom 08.Sept. 1928 ist noch erhalten und wurde dem Autor im Sommer 2010 noch im Orginal gezeigt. Es trägt das Wappen der Familie von Hindenburg. Rechts: Ein weiteres vom Reichspräsidenten und lokalen Handwerkern unterschriebenes Blatt aus dem Grundstein.
After WW II above documents were illegally taken from the foundation-stone of the Neudeck mansion. They are still in the possession of local Poles. The original documents were shown to the author of this site in Summer 2010.

Dieses alte Grab der von Beneckendorff und von Hindenburg zeugt noch von der Anwesenheit der Familie.
This old grave of the von Beneckendorff and von Hindenburg family still gives evidence of their ancient home.
                                                                                                                                  
  Foto: Ehepaar Müller

Wer die Ruinen von Gut Neudeck besuchen möchte: Ohne gute Ortskenntnisse ist dies kaum möglich. Der an das Gut angrenzende Hof in Ogrodziniec ist noch vorhanden, die Ruinen des Guthauses jedoch sind im Unterholz verschwunden.  Bei Interesse eines Besuchs vor Ort, bitte an den Webmaster wenden ...

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